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Zukunftsmusik

29.06.2016 "Lake turkana, Let's save lake Turkana" dröhnt es aus der kleinen Lehmhütte, in der es gefühlte 35grad sind. Dennoch liegt die volle Konzentration auf der Musik. Drei Jungs aus Lodwar sitzen vor ihren Rechnern, wippen im Takt der Musik mit ihren Köpfen und geben Anweisungen. Ein wenig emotionaler soll es werden, schließlich geht es um den für über 200.000 Menschen überlebenswichtigen See im Norden Kenias. Kraftvoller dafür die Forderung an die Regierung des Nachbarlandes Äthiopien: "Stoppt den Bau des größten Staudammprojekts Gibe 3,4 und 5!"

Doch von Anfang an: Von Kisumu aus geht es über Isiolo mit 200 Litern Ersatzbenzin in ein für uns noch unbekanntes Gebiet: zum Lake Turkana. Mit jedem Kilometer wird es heißer, trockener und weniger besiedelt. Nomaden mit immer größer werdenden Herden ziehen an uns vorbei. Je näher wir dem Turkanasee kommen, desto schwärzer wird die vulkanische Gesteinserde. Wunderhübsche, mit bunten Perlenketten behängte Turkanafrauen kreuzen immer häufiger unseren Weg, Steinhäuser weichen den aus Palmenblättern gebauten, runden Manyattas. Drei Tage dauert unsere Fahrt von Kisumu über Nyauhuru und Isiolo, bis wir Loyangalani erreichen. Und dass trotz einer mittlerweile gut ausgebauten Sandpiste, dem afrikanisch größtem Windfarmprojekt sei Dank. Ansonsten hätten wir für die 850km wohl die doppelte Fahrtzeit benötigt. Sechzig von geplanten 350 Windrädern stehen hier bereits, das Projekt bringt große Veränderungen in der Region. Durch die neue Straße kann der Ort mittels LKWs mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen versorgt werden. Falls nichts dazwischen kommt, was immer mal passieren kann, fahren alle zwei Tage Busse nach Maralal oder Isiolo. Die Menschen hier nennen das nach Kenia fahren. So isoliert fühlen sie sich noch heute. Als die Straße noch schlechter war, konnte der Ort in der Regenzeit für Wochen vom restlichen Land abgeschnitten sein. Heute kommen über die neue Straße Arbeiter aus verschiedenen Regionen Kenias in den Norden, die über diese Region bislang nur aus Fernsehen und Zeitung kannten und sich verwundert die Augen reiben, wenn sie aus dem Auto steigen. Denn noch immer ist es der Lake Turkana ein verwunschener Ort, an dem die Welt sich irgendwie anders dreht.

In Loyangalani treffen wir auf Makwekwe, einem lokalen Musiker, mit dem wir zwei Wochen verbringen, um eine Reise um seinen See zu unternehmen, die wir filmisch festhalten. Gemeinsam mit ihm wollen wir die Wichtigkeit des Sees für die hier lebenden Menschen erfahren. Was passiert, wenn diesem See "der Wasserhahn" zugedreht wird? Denn genau das passiert gerade.

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