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Startseite > Logbuch > 26.06.2014 - Begegnungen in Nairobi
Seitdem in Turkana Öl gefunden wurde, hofft die ganze Nation auf einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. In dem Schatten dieser Hoffnung tummeln sich eine ganze Reihe von Firmen, die mit viel Risikokapital in das Geschäft drängen. Am offensichtlichsten sind die Explorationsgesellschaften. Ein Pilot der für diese fliegt erzählte mir, dass diese über eine riesige Fläche verteilt einzelne, mehrere Kilometer voneinander entfernt liegende, Areale abgezäunt hätten, die jeweils ein paar Container und die Ölfördertürme beheimateten. Er selber sieht dadrin nur eine geringe Auswirkung auf die Region, die Natur und die Kultur. Denn die meisten Anlagen seien nahezu autark, die nomadische Bevölkerung könne mit ihren Herden weiterhin durch die Gebiete ziehen. Doch was passiert, wenn die derzeitigen Gesellschaften ihre Explorationen abgeschlossen haben, weiß er auch nicht. Denn mittelfristig werden die Felder an Konzerne wie Exxon oder Shell weiterverkauft, die dann mit der Förderung im großen Stil anfangen werden. Schwer vorstellbar, dass ein solcher Umschwung ohne Nebenwirkungen bleiben kann. Dieses Mistrauen kann auch das Erscheinen einer zweiten Firma kaum mildern. Der Militärdienstleister Blackwater bringt sich in Stellung das Geschäft der Luftlogistik an sich zu bringen. Bislang macht die Firma hauptsächlich ihr Geld auf den Kriegsschauplätzen der USA, in dem sie dort Söldnertruppen und Kampfhubschrauber für unappetitliche Aufgaben vermietet. Jetzt hat sie sich 49 % eines der etabliertesten lokalen Flugunternehmen gesichert und zusätzlich zwei Flughäfen, einen in Mombasa, den anderen in der Turkana-Region, erworben. 40 neue Flugzeuge werden nach Hörensagen diese Einkaufsliste ergänzen. Die Intention hinter dem Investment liegt auf der Hand – mit einer solchen Flotte und dem Besitz von zwei Logistik-Standorten besitzt das Unternehmen eine Monopolstellung innerhalb des Ölgeschäfts und kann so zukünftig viel Geld auf seine Konten spülen. Ein pikantes Detail bei dem Deal liegt auch bei dem lokalen Partner. Zwar macht der seinen größten Umsatz durch das klassische Flugzeug-Charter-Geschäft und luxuriöse Flugsafaris, allerdings wickelt die Firma, wiederum nach Hörensagen, auch die Geschäfte mit den somalischen Piraten ab, wenn diese wiedermal Geiseln gefangengenommen haben.

#Baba, while you were away

Die letzte Wahl ist nicht lange her und doch rumort es innerhalb der Bevölkerung. Es gibt viele Themen, die die Menschen beschäftigen. So unter anderem die steigende Kriminalität und schlechter werdende Sicherheitslage, die Zunahme an Korruption, anziehende Lebenskosten, die Konkretisierung der Ölförderung im Gebiet der Turkana und der Beschluss, chinesischen Firmen die Modernisierung der maroden Eisenbahn zu übertragen. Aber auch die Veränderung im Tourismus – in diesem Jahr werden erstmals mehr chinesische als westliche Besucher im Land erwartet, die die Gesamtzahl über die kommenden Jahre von derzeit 1,1 Millionen auf über 3 Millionen Besucher treiben soll. „Das ist schon gut, wenn wir wieder mehr Touristen haben. An der Küste sind die Hotels in dieser Saison nur zu 70% ausgelastet. Aber die Gäste aus China bleiben unter sich und sind völlig abgeriegelt. Ich zumindest habe noch keinen einzigen in meinem Taxi gehabt“, klagt der Taxifahrer Benjamin. Er ist sehr unzufrieden mit der aktuellen Entwicklung und hofft auf einen baldigen politischen Windwechsel.

Doch die Opposition ist seit der Wahl in einen Dornröschenschlaf verfallen. Was auch daran liegen mag, dass ihr prominentester Vertreter und ewige Präsidentschaftskandidat Raila Odinga drei Monate durch die USA reiste, um dort Vorträge zu halten oder, wie manch einer mutmaßt, einfach Urlaub zu machen. Doch dieser Dornröschenschlaf soll nun abrupt enden. Zum großen Unmut der Stadtverwaltung von Nairobi hat Odinga dafür seine Rückkehr auserkoren, die mit einer Art Willkommensparty im Uhuru-Nationalpark begangen wurde. Aus dem ganzen Land wurden seine Anhänger dafür mobilisiert, um die großmündig ausgerufenen eine Million Anhänger um ihre Identifikationsfigur zu scharen. Ganz so viele kamen dann nicht, aber dennoch war der Park zum bersten voll und die Menschen hörten gerne seine zwei Aussagen. Das zum einen die derzeitige Regierung mit der aktuellen Situation völlig überfordert sei und das zum anderen deswegen Odingas Partei an der Regierung beteiligt werden muss.

Zeitpunkt und Ort waren eine klare Herausforderung an die Regierung, denn nur einen Tag darauf fiel der Unabhängigkeitstag Kenias, der wichtigste Feiertag im Jahr, zu dem der Präsident Kenyatta seinerseits in Nairobi eine öffentliche Rede vor großem Publikum hält. So war dieser um sein Gesicht zu waren gezwungen, eine ähnliche Menschenmenge zu mobilisieren. Was dieser auch hinbekam und nicht ganz überraschend erwiderte, dass er sich gerne konkrete Vorschläge anhört, aber nicht die Mehrheit in der letzten Wahl erhielt, um dann eine große Koalition zu bilden.

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