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Startseite > Logbuch > 08.05.2013 - Ugandas Palmöl
Ein weiterer Diskussionspunkt stellt die Akquirierung der Landflächen für Bidco dar. Der Landbesitz in Kalangala ist relativ unübersichtlich, da vor drei bis vier Generationen viele der Landbesitzer aufgrund der Tsetse-Epedemie die Insel verlassen und sich auf dem Festland niedergelassen haben. Nachdem unter anderem durch die Regierung Programme gegen die Epidemie unternommen wurden, hat sich in einer neuen Generation die Insel wieder besiedelt, ursprüngliche Landbesitzer sind oftmals aber nicht zurückgekehrt.

In der ersten Projektierungsphase um das Jahr 1995 planten die staatlichen Projektmanager, die Flächen, die sie vertraglich für Bidco bereitstellen mussten, zu schaffen, indem sie den staatlichen Schutz von bestehenden Waldreservaten aufheben, um diese dann anschließend abholzen zu können. Doch auf dieses Vorhaben mussten sie später verzichten, denn die IFAD, die Kredite für das Projekt bereitstellt, hat in einer damaligen Politikänderung beschlossen, dass bei finanzierten Projekten keinerlei geschützter Regenwald zerstört werden darf. Daraufhin haben die Projektmanager einen Strategiewechsel durchgeführt und den Ankauf von Flächen fokussiert, die sich in dem Besitz von Menschen befinden, die zu dem Zeitpunkt nicht auf Bugala wohnten und entsprechende Landtitel über mehrere Generationen hinweg vererbt bekommen haben.

Doch es ist eine Fehlannahme, wenn man glaubt, dass das Land, nur weil der Besitzer fernab lebt, nicht bewirtschaftet wird. Es ist in Uganda nahezu üblich, dass sich Menschen auf freien Ländereien niederlassen, ihr Haus oder ihren Garten auch ohne Besitzurkunde auf dem Land haben. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass es einen wirklichen Landbesitzer von dem von ihnen bewirtschafteten Land gibt, da sich dieser nie hat blicken lassen. Sie hoffen oder nehmen irrtümlich an, dass es sich um „Community-Land“, Gemeinschaftsflächen handeln würde, auf denen man sich ansiedeln darf. Genau dies ist auf Bugala mehrfach passiert. Und genau dieses Land, ist nach Aussage zahlreicher Kleinbauern,ist ihnen, ohne vorher informiert worden zu sein, vom Staat weggenommen und an Bidco übergeben worden. Dabei verloren sie seit mehreren Jahren erfolgreich bestellte Felder mit Kaffeepflanzen, Kasava oder Süsskartoffel, womit ihnen und ihrer Familie die Lebensgrundlage entzogen wurde.

„Die Rodungen kamen für uns überraschend, plötzlich kamen die großen Maschinen und entwurzelten Bäume und zerstörten unsere Pflanzen“, erzählt uns John. Dieser Vorgang wurde in der Regel von Polizisten in Uniformen mit Gewehren begleitet und geschützt, ein direktes Eingreifen hat sich daher niemand getraut. Beschwerden und Rückforderungen bei den Ministerien wurden nur teilweise versucht und nicht mit Erfolg gekrönt. John ist bis nach Kampala weitergereicht worden, um dann hier vor einer korrupten Front zu kapitulieren. Dem Farmer wurden die Landflächen bereits im Jahr 2010/2011 genommen.

Weder er, noch irgendein anderer von uns besuchter Farmer hat eine Zahlung erhalten, die diesen Verlust kompensiert hätte. Ebenfalls wurden keine Ausweichflächen für die Betroffenen zur Verfügung gestellt, sodass sie nun viel weniger Landfläche zur Verfügung haben und oftmals einem neuen Gewerbe nachgehen bzw. zusätzliche Nahrungsmittel auf dem Markt einkaufen müssen.

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