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Startseite > Logbuch > 08.05.2013 - Ugandas Palmöl
Die zweite Gruppe sind die Arbeiter, die die Plantagen später bewirtschaften, also insbesondere die Ernte einbringen. Die Wohnhäuser der Arbeiter befinden sich oftmals mitten in den Plantagen und sind von Märkten, Schulen oder Krankenstationen weitestgehend abgeschnitten. Sowohl die schulische Ausbildung der Kinder, die von den Arbeitern oftmals mitgebracht werden, als auch die ärztliche Versorgung ist für die Arbeitercamps nur rudimentär vorhanden, da Bidco über keine eigenen Ressourcen in diesem Bereich verfügt. Bis jetzt hat Bidco weder eine Schule noch ein Gesundheitszentrum eröffnet, obwohl dies wohl eine der ersten Versprechungen war.

Aber nicht alle Palmen auf Kalangala gehören Bidco. Es gibt noch eine zweite Flächenart für Palmenöl. Die Flächen der sogenannten „Outgrower“ oder „Small-Scaled-Farmer“; also Kleinbauern, die auf eigenes Risiko auf eigenem Land die Pflanze kultivieren. Dies sind circa 1.500 Kleinfarmer, die mittlerweile eine Fläche von 3.500ha bewirtschaften. Um diese zum Mitmachen zu bewegen, wurde die Weltbank mit ins Boot geholt. Über ihre Unterorganisation IFAD stellt sie beträchtliche Gelder zur Verfügung um den Farmern Kleinkredite zur Verfügung zustellen, die ab Erntebeginn, also nach ca. drei Jahren, zurückgezahlt werden müssen. Die Farmer bekommen nach Vertragsunterzeichnung einen Kredit, mit dem sie ihre Landflächen roden, ihre Setzlinge kaufen, ihren Pestizid- und Düngemitteleinsatz finanzieren und sich zudem auch Nahrungsmitte leisten müssen, da sie dafür nun kein Land mehr zur Verfügung haben. Dieser Kredit bringt bei den meisten vorerst einen gewissen Wohlstand, wir sehen viele Steinhäuser und auch Solarplatten auf den Dächern, von denen hier vor Projektbeginn niemand träumen mochte.

Doch mit der Vertragsunterzeichnung verpflichtet sich der Farmer, für 25 Jahre Palmöl auf seinem Land anzubauen. Es ist einem Bauern nicht gestattet, sich aus dem Anbau von Palmenöl zurückzuziehen. Sollte ein Farmer vor Ablauf aus dem Vertrag ausscheiden wollen, ist er zum sofortigen Auszahlen sämtlicher Schulden verpflichtet. Kann er dies nicht finanzieren, gleichzeitig aber auch nicht seine Felder gewinnbringend bewirtschaften und die Kultivierung somit nicht fortsetzen, verliert er den Besitz der Pflanzen, welche dann an die Kalangala Oil Palm Trust Association (KOPGT) übergehen, einer wiederum staatlichen Organisation. Er bleibt dann zwar formal im Besitz seiner Flächen, hat aber keinerlei Rechte über die Zeit bis hin zum Ende des Vertrags, diese zu bewirtschaften oder die Ölpalmen zu entfernen. Die Pflege und Ernte des Palmölbestands wird in dem Fall komplett durch die Organisation übernommen.

Ein weiteres Zukunftsproblem der Outgrower ist, dass Bidco der einziger Abnehmer von Palmöl in Kalangala und in Uganda ist. Dadurch kann das Unternehmen die Abnahmebedingungen diktieren und unterliegt keinem Wettbewerb. Einige Farmer klagen: „Oftmals werden die geernteten Früchte nicht an den vereinbarten Tagen abgeholt, wodurch ein großer Teil am Straßenrand vergammelt. Den Verlust müssen wir dann vollständig tragen. Durch den fehlenden Wettbewerb kann der Preis diktiert werden und bietet dadurch keine langfristige Sicherheit für uns Farmer“.

Diese Aussagen decken sich mit der Tatsache, dass über die letzten drei Jahre der örtlich bezahlte Kilo-Preis deutlich gesunken ist. Anzumerken ist dabei aber, dass es einen versprochenen Minimalpreis in Höhe von 200 Shilling pro Kilo gibt, der bislang eingehalten wird.

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