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Startseite > Logbuch > 08.05.2013 - Ugandas Palmöl
Der überwiegende Teil von ihnen stammt ursprünglich nicht von der Insel, sondern ist aus den nördlichen Regionen Ugandas teilweise mit ihren Familien zusammen zugezogen. Die Hoffnung auf gut bezahlte Arbeitsplätze und dem damit verbundenen Weg aus der Armut ist aber leider nicht aufgegangen.

„Wir verdienen pro Tag 3.500 UgSh (etwas mehr als ein Euro). Von diesem Geld werden am Monatsende unsere Gummistiefel, unsere Macheten und unsere verbrauchten Nahrungsmittel abgezogen, sodass wir vielleicht 30.000 UgSh in bar ausgezahlt bekommen“ erzählt uns Ken, der bereits seit 1,5 Jahren für Bidco arbeitet. Warum er die Arbeit nicht einfach niederlegt und wieder in seine Heimatregion zurückkehrt, beantwortet er mit einem schiefen Lächeln: „Die Heimreise kostet mich über 60.000 UgSh und ich kann dort doch nicht mit leeren Händen auftauchen.“

In Uganda gibt es zudem Arbeitsschutzgesetze mit klaren Aussagen über maximale Arbeitstage- und Stunden, Mutterschutz, Krankengeld und Urlaub. Für uns ist es wirklich schwer nachzuvollziehen, wie sich ein internationaler Konzern, gefördert durch die Weltbank und andere private, internationale Investoren, diesen staatlichen Vorschriften komplett entziehen kann.

Denn den Aussagen verschiedenste Arbeiter nach bekommen die Frauen weder einen bezahlten Mutterschutz noch werden die vorgeschriebenen maximalen Arbeitszeiten eingehalten. Im Gegenteil, der Konzern „belohnt“ sogar die Arbeiter, die 24 Tage am Stück durchgearbeitet haben mit einem 10kg Sack Maismehl, also einem Gegenwert von ca. 10.000 UgSh.

Es gibt zwei Formen von Arbeitern auf den Palmölplantagen von Bidco. Zum einen die Rodungseinheit, die durch das Land zieht und direkt neben den zu rodenden Flächen ihre Zelte aufbauen. Dort leben sie über Monate unter für uns unvorstellbaren Umständen, roden zunächst die Gesamtfläche und pflanzen anschliessend die Setzlinge an. Warum sie nicht in Steinhäusern wie die anderen Arbeiter leben, findet Ken schon nachvollziehbar, da sie ja immer den Ort wechseln müssen. Er wird erst nachdenklich als wir die Gesamtfläche der Insel benennen, auf der wir uns hier befinden und die derzeit noch das einzige Anbaugebiet von Bidco ist. Mit einem Fahrzeug lässt sich die Insel innerhalb einer Stunde komplett durchqueren – kann es so schwer sein, einen entsprechenden Transport für die Arbeiter zu organisieren?

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