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Tropentauglich (Teil 1)

08.05.2013 „Ach du Scheiße, ist das unser Rad?“ Jonathan zieht die Handbremse, bringt die Lady auf der gut befahrbaren Asphaltstraße von 60kmh mehr oder weniger schnell zum Stehen, der Reifen hüpft mit hoher Geschwindigkeit in die Büsche. Die Lady hängt mit der Rückplatte der Bremsen im Asphalt, hat eine lange Schleifspur hinter sich gezogen. Das Rad samt Felge wird von freundlichen, herbeieilenden Männern, die kopfschüttelnd vor unserem Auto stehen bleiben, zu uns gebracht. Puh, durchatmen, das hätte viel schlimmer ausgehen können. Es waren kaum Menschen unterwegs, sodass niemand durch den herumhüpfenden Reifen verletzt worden ist und die Lady steht noch immer recht stabil auf ihren fünf Rädern, zum Glück ist eines der Hinterachse abgefallen.

Wir sind auf dem Weg nach Kaplomboi, einem kleinen Dorf zwischen Narok und Kisii. Eigentlich haben wir nur 250km vor uns, doch durch das Auf und Ab der Strecke sind wir wieder viel länger unterwegs als geplant. Die Landschaft wirkt kahl, die meisten Felder, bewachsen mit Mais oder Weizen, sind bereits abgeerntet.

Wir können unseren Weg recht schnell wieder fortsetzen, haben Glück und bekommen sogar in Narok die passenden Muttern für die Felge, von denen alle acht verloren gegangen sind. Der Schaden am Bremsbelag und an der Bremstrommel ist vertretbar, alle Leitungen sind heil geblieben. Der Regen und die Dunkelheit setzen ein, wir nehmen eine Abkürzung und verlassen die Asphaltstraße. Müde und erschöpft erreichen wir Kaplomboi und werden mit einem lauwarmen Essen willkommen geheißen.

Die nächsten drei Tage verbringen wir hier und sind erstaunt über die Entwicklung in diesem kleinen Dorf. Große Maschinen bauen die einst schlechte Straße aus, es soll sogar Asphalt geben. Das wird diesen Ort, der uns seit nun mehr 5 Jahren vertraut ist, verändern. Ob positiv oder negativ mögen wir kaum beantworten, Entwicklung kann auch schlecht mit diesem Maße gemessen werden. In der Geburtenstation, die mittlerweile erneut einen Personalwechsel erleben musste, dürfen wir bei einer Geburt dabei sein, großes Glück, denn gut besucht ist diese leider nach wie vor nicht. Das Kind kommt mit der aufsteigenden, glutroten Sonne zur Welt, die Schulkinder stimmen zufällig genau in diesen Minuten ihren morgendlichen Gesang an, Gänsehaut.

Über die Goldminen in Lolgorien und Rongo fahren wir weiter am Lake Viktoria gen Kisumu und immer gen Norden nach Kitale, wir wollen die Grenze am Mount Elgon nach Uganda erreichen.

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