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Juni

02.06.2011 02.06.2011- 08.06.2011 Lake Naivasha

Bevor wir die ungeliebte Stadt wieder verlassen, wollen wir unseren Bordstrom aufrüsten. Für diesen waren bislang drei Yellow-Top-Batterien zuständig, leider hat sich bei einem Ladetest gezeigt, dass zwei bereits tot sind. Daher haben wir die letzte an Bernd und Elke gegeben und rüsten nun mit eine 150 Ampere Säurebatterie nach. Auf guter Straße verlassen wir die Stadt und fahren gen Westen nach Naivasha. Vorbei an vielen Obst- und Gemüseverkäufern erreichen wir über den Transafrican Highway das Kedong Valley, welches einen atemberaubenden Ausblick über das Land bietet. Hier und da funkeln die Wellblechdächer in der Sonne, die dunkelrote Erde gibt einen tollen Kontrast zu dem saftigen Grün. In Naivasha finden wir eine neue Oase der Ruhe, das Fisherman´s Camp. Ein großes, grünes Areal mit altem Baumbestand direkt am See bietet ein angenehmes Klima und tolle Plätze für Hängematten. Die Tage vergehen wie im Fluge, wir stehen mit der Sonne auf und beobachten durch die Rücktür die wilden Spiele der Affenbande um die Mangoreste im Abfalleimer. Die Seitentür steht offen und wir bemerken erst in letzter Minute, wie sich einer der Affen auf unsere Bananen stürzt. Die Vogelwelt zeigt sich in unterschiedlichsten Klängen und Schönheiten, am Abend kommen die Hippos aus dem See an Land geschlichen, um direkt vor unserer Tür das Gras zu verspeisen. Ein Ort, an dem wir endlich mal abschalten können und bleiben... Natürlich nicht ganz untätig, schon am dritten Tag kommt Jonathan auf die Idee die Tachowelle einzubauen. Ich ziehe mich mit leiser Vorahnung aus der Nummer raus, indem ich mich um den Gastank kümmere, dessen Halterungen sich ebenfalls durch die Wellblechpisten gelöst haben. Zu spät wie sich herausstellt, da sich der Tank bereits durch die gelockerten Halterungen gedreht hat und dabei eine Leitung abgerissen ist. Kleiner aber ärgerlicher Schaden. Jonathan hingegen liegt also mal wieder unter der Lady um mal eben die Tachowelle zu wechseln. Meine Vorahnungen werden bestätigt, die ganze Nummer dauert statt einer Stunde zwei Tage, da neben der Kardanwelle auch die Handbremse abgenommen werden muss. Gut, dass ich eine Vorahnung hatte :-) An einem Nachmittag machen wir uns auf den Weg um die Straße zu erkunden. Ein ca. neun jähriger Junge in Schuluniform fängt uns in Höhe eines kleinen Straßenshops ab und fordert uns lediglich auf :“Go and buy for me cake in this shop!“ Mir fehlen die Worte. Ich starre ihn nur ungläubig an, unfähig zu einer solchen Geste etwas zu sagen. Im Nachhinein hätte ich ihn gerne gefragt, ob er sich in einer derartige Form auch an seine Landsleute wendet, die am See spazieren gehen und einen Taler mehr in der Tasche haben als er selbst...

In Kenia gibt es mehrere große Supermarktketten, die größte ist der Nakumatt. Hier bekommt man alles, von tiefgefrorenem Fleisch über Batterien und Schrankwände. Uns fällt mal wieder auf, dass es neben wenigen Produkten aus Kenia kaum afrikanische Produkte im Angebot gibt. Die Cornflakes kommen aus England, der Schmierkäse aus Indien, die Nutella aus Deutschland. Einige wenige Produkte aus Ägypten, der einzige Fairtraderohrzucker, von dem Kenia eine Menge zu bieten hat, ist aus Amerika importiert. Der Kauf unserer Batterie in einem Straßenladen bestätigt unsere Vermutung. Chloride Exide ist eine weltweit agierende Company. Wir bekommen eine Batterie angeboten, welche aus Korea importiert wurde. Beim Preisvergleich stellen wir fest, dass es durchaus auch nicht importierte Ware gibt, doch diese wird uns gar nicht erst angeboten. Welch ein verrückter Welthandel, da werden die Rohstoffe nach Korea gebracht, um Batterien für den afrikanischen Markt herzustellen. Doch viel schlimmer erscheint uns, dass die Afrikaner wie in diesem Fall ihr eigenes Produkt nicht einmal anbieten! Dass sich wenige Großkonzerne in Afrika ansiedeln, um Cornflakes hier im Land herzustellen, können wir aus unserer Sicht nur auf die Korruption schieben. Einige Geschichten, die uns auf der letzten Reise bereits begegnet sind, haben dies bestätigt.

08.06.-13.06.2011 Begegnungen

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