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Äthiopien

24.02.2010 24.02.2010 Gesime- Asosa

Wir stehen vor der Grenze und können es selbst kaum glauben. Kurmuc war in unserem Sinne schon kaum vorstellbar, aber dieser Grenzübergang ist fantastisch. Wir durchqueren ein ausgetrocknetes Flussbett, indem Frauen und Mädchen nach Wasser graben, um ihre Plastikbehälter zu befüllen. Auf der anderen Seite liegen zwei Soldaten im Schatten der Mangobäume, die Gewehre neben sich platziert. Wir halten an, sie schlendern barfuß und mit ungläubigen Blicken auf uns zu. Wir sprechen nicht die gleiche Sprache, können ihnen nicht verständlich machen, dass wir die Erlaubniss besitzen, nach Äthiopien einzureisen. Wir kehren um, suchen die Polizeistation auf. Der Wachtmeister begleitet uns. Wir bekommen weder einen Ausreisestempel für uns noch einen ins Carnet de Passage, lediglich eine Unterschrift. Das wir keinen Stempel bekommen, ist keine Boshaftigkeit und keine Frage des Geldes. es gibt hier einfach weder Stempel noch Stempelkissen...

Dann sind wir in Äthiopien. Uns kommen keine Autos entgegen, was auf dieser Straße auch verständlich ist. Möglich, dass wir nicht nur die ersten Touristen sondern auch das erste Auto sind. Junge Männer mit Eselskarren, die uns begrüßen, uns Orangen schenken. Nach 2 km auf dem Track dann ein Dorf mit Militär. Sie halten uns an, versuchen unsere Reisepässe zu verstehen, wollen uns nicht durchlassen. Bis zwei andere Männer hinzukommen und uns durch winken. Auch hier keinen Einreisestempel in den Pass oder ins Carnet. Die Straße wird gut, steinig und staubig. Die Landschaft atemberaubend. Die Menschen verhalten, sie grüßen nicht und scheinen sich nichts aus uns zu machen. Wir sind unglaublich glücklich, diesen Weg gewählt zu haben, können es kaum fassen es bis nach Äthiopien geschafft zu haben. Nach knappen 50 km steiniger aber guter Straße halten wir am Wegerand, backen Pfannkuchen mit Schokocreme. Es dauert keine 10 Minuten bis ein aufgeregter, bewaffneter Polizist zu uns stößt. Er kann kein Englisch, hält den vorbeifahrenden Bus an und bittet jemanden zu übersetzten. So haben wir gleich 30 Leute um uns, die uns verständnislos und stumm einfach nur anstarren. Der junge Mann erklärt, dass wir einen Polizeiposten übersehen haben und der Polizist uns bittet die Strecke zurück zu fahren, damit unsere Papiere kontrolliert werden können. Wir dürfen noch essen, bekommen aber gleich einen weiteren Polizisten an die Seite gestellt.

Auf der Polizeiwache dann für uns die totale Überraschung. Man nimmt uns unsere Reisepässe ab und behauptet, wir währen illegal ins Land eingereist. Wir versuchen uns zu erklären, geben die Telefonnummern raus, doch, hier gibt es keine Hoffnung auf ein Telefonnetz. Statt uns zuzuhören werden uns Autoschlüssel, Taschenmesser und Taschenlampe abgenommen, unser Auto wird durchsucht. Nach über einer Stunde wird uns ein bewaffneter Polizist ins Auto gesetzt, mit dem wir ins 90 Kilometer entfernte Asosa fahren sollen. Schweigend sitze ich auf der immer heißer werdenden Motorenklappe in der Mitte, die Straße wird wieder schlechter, den ersten Affen den wir auf unserer Reise begegnen können wir kaum Bedeutung zukommen lassen. In Asosa werden wir von dem uns begleitenden Polizisten dazu aufgefordert, die Autoschlüssel abzugeben. Wir weigern uns. Zum Glück werden wir von einem netten Mann von der National Security bereits erwarte. Dieser wirft einen Blick in unseren Pass und gibt seinen Männern und uns zu verstehen, dass es keinen Grund zur Haft gibt, wir sind nicht illegal im Land, haben ein gültiges Visum. Wir bekommen dennoch unsere Pässe nicht wieder, müssen auf dem Polizeigelände bleiben, er kümmert sich morgen um die Angelegenheit.

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