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Ägypten

21.12.2009 21.12.2009 Nuweiba- Abu Zenima

Die Fahrt dauert statt angegebenen 3-4 Stunden ganze 6 Stunden. Im Morgengrauen kommen wir in Ägypten, auf dem Sinai an. Sollten wir es jetzt noch schaffen, den Sinai zu durchqueren, haben wir unser Ziel ansatzweise bereits geschafft- dann sind wir in Afrika...... Doch vorerst die- in fast allen zu lesenden Reiseberichten im Internet- bereits angekündigten, anstrengenden Zollformalitäten der Ägypter. Ganze 3 Stunden mit Frühstückspause: Ein bestimmender Polizist fängt uns ab, erklärt uns den Ablauf. Bekommen tatsächlich für 30 Dollar unsere Reisepässe mit Visum zurück. Dann wird die Rahmen- und Motorenblocknummer vom Auto verlangt. Eine Plakette reicht den Beamten nicht, auch wenn Jonathan sogar schriftlich zeigen kann- es gibt keine eingestanzte Nummer, es gibt nur die Plakette. Ohne Rücksicht auf Verluste wird mit einem scharfen Messer der Unterboden der Fahrzeugkarosserie abgekratzt, bis sie enttäuscht feststellen müssen- es gibt wirklich keine eingestanzte Nummer. Gegen unglaubliche Gebühren bekommen wir ein ägyptisches Nummernschild und eine Fahrlizenz ausgestellt, mit einem müden Lächeln zahlen wir fast 4 Euro für 4 Kopien. 3 Stunden, dann sind wir frei.

Finden schnell einen schönen Platz am Golf of Aquaba, springen ins kühle Nass. Ägypten. Ein warmes Gefühl im Bauch, es bis hier geschafft zu haben...

Trotz der wenigen Stunden Schlaf machen wir uns bald auf den Weg, wollen versuchen heute den Sinai zu durchqueren. Fast 100 Kilometer durch Wüstenlandschaft. Wir steigen aus, genießen die Stille, die Wärme. Kahle Steinfelsen, feiner Sand, blauer Himmel. Wir durchqueren nur wenige Dörfer, eine Oase, die mit Palmen gesäumt ist, in die Natur farblich angepasste Häuser, trockene Felder. Wie werden diese Menschen hier versorgt? Wir sehen keine Tiere, keine Gemüsefelder. Kilometer um Kilometer, Die nächste Stadt ist viel zu weit für eine Infrastruktur. Strom scheint vorhanden zu sein, eine gute Straße, ein ausgetrocknetes Flussbett. Kinder, die mit Fahrrädern spielen. Wir sehen keine Schule, auch nicht im nächsten Dorf. Dafür immer wieder Polizeisperren, schwer bewaffnet, 5-10 Soldaten pro Kontrollstation. Sharm el Sheik ist der Hauptsitz des Präsidenten, der Tourismus soll geschützt werden und natürlich lässt sich auch hier mit der unmittelbaren Nähe zu Israel das Militäraufgebot rechtfertigen. Wir erreichen nach eindrucksvoller Natur die Westküste vom Sinai, sehen die Schlacht ums Öl, das gesamte Küstengebiet ist militärisch abgeriegelt. Einen Schlafplatz zu finden ist nicht einfach, einzige Chance sind die durch den Erdölabbau entstandenen Dörfer. Wir finden einen Strandabschnitt der öffentlich zugänglich ist, kochen und genießen den Sonnenuntergang. Sind schon um 19 Uhr so müde, das wir ins Bett gehen.. Beide haben wir schon fest geschlafen, als es aggressiv an der Tür klopft. Automatisch klopfe ich zurück. Ein furchterregendes Geschrei, ich linse in die Dunkelheit durch das kleine Fenster. Sehe zwei dunkle Gestalten, die ihre Maschinengewehre auf uns richten, in einer Sprache die ich nicht verstehe in die Nacht schreien. Wir machen das Licht an, öffnen nur einen kleinen Spalt vom Fenster. Versuchen in der Panik von beiden Seiten ruhig zu bleiben, zu verstehen zu geben, dass wir keine Terroristen sind, sondern lediglich zwei müde Reisende... Die Männer sind vom Militär. Geben uns zu verstehen, dass wir hier auf keinen Fall stehen bleiben können, zu gefährlich sei die Bauruinengegend. Wir sollen zu einem Hotel fahren. Wir packen schnell unsere Sachen, fahren ins Dorf, doch kein Hotel weit und breit. Entnervt halten wir an einer Feuerwehrwache, bitten um einen Übernachtungsmöglichkeit. Nach einer Stunde des Wartens und vielen Telefonaten bekommen wir eine Zusage und einen zuckersüßen Tee. Erschöpft kuscheln wir uns wieder ins Bett.

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